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Pinneberger Zeitung
am

21. März 2009


und KOMMENTAR
Wedel: Streit eskaliert in der Ratsversammlung

Ausstellung im Barlach-Haus: Wirbel um Zuschuss der Stadt

Von Jörg Frenzel

"Made in Turkey": CDU und Grüne fühlen sich unter Druck gesetzt. SPD, FDP und Linke stimmen für 10 000-Euro-Spritze.

Wedel -
Die Stadtpräsidentin hatte sich krank gemeldet. Sabine Lüchau (CDU) fehlte bei der jüngsten Ratsversammlung und überließ deren Leitung dem SPD-Rat Joachim Funk. Der Grund: Wie die Pinneberger Zeitung erfuhr, waren Sabine Lüchau die Querelen auf den Magen geschlagen, die ihre Fraktion derzeit mit der Ernst-Barlach-Gesellschaft hat. Denn während die Stadtpräsidentin in der Zusammenarbeit mit der renommierten Kulturinstitution wohlwollend einen neuen Anfang machen möchte, sehen der Rest ihrer Fraktion und die Grünen die Gesellschaft und deren Führungspersonal Jürgen Doppelstein und Heike Stockhaus eher kritisch. Der Konflikt kulminierte während der Ratsversammlung, als es um die Bezuschussung für die Ausstellung "Made in Turkey" ging.
10 000 Euro hatte die Ernst-Barlach-Gesellschaft beantragt, damit die hochkarätige Ausstellung auch in Wedel stattfinden kann, so wie Teile in Pinneberg und in Hamburg zu sehen sind. Nach Ansicht aller Politiker hatte die Kulturinstitution das Geld ziemlich kurzfristig beantragt. CDU und Grüne stellten Nachfragen zu Abrechnungsmodalitäten, die nicht so wie erwünscht geklärt wurden. Vor dem Hintergrund vergangener Ungereimtheiten wurde dieser Antrag von CDU und Grünen skeptisch betrachtet.
Grüne-Fraktionschefin Valerie Wilms sagte zum Verhalten der Barlach-Gesellschaft: "So geht man nicht mit denjenigen um, von denen man eine Leistung erhalten möchte. Es sieht mir doch sehr danach aus, dass der Rat der Stadt Wedel durch das Vorgehen der Ernst-Barlach-Museumsgesellschaft unter Druck gesetzt werden sollte. Im Dezember letzten Jahres wird von der Gesellschaft ein Finanzierungskonzept für die Ausstellung ausgearbeitet, an der sich auch Wedel beteiligen soll. Die Unterlage wird dann jedoch so spät eingereicht, dass der Ausschuss sich erst wenige Tage vor der geplanten Eröffnung damit befassen kann. Zwischenzeitlich wird aber schon im Kulturausschuss des Kreises ein Förderantrag beschlossen, mit dem Hinweis, die Stadt Wedel wird sich schon beteiligen." Wilms mahnte die Einhaltung "der üblichen Spielregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens" an. CDU und Grüne seien sich einig, dass sie eine künftige Förderung nur befürworten, wenn eine Leistungsvereinbarung mit dem Museum abgeschlossen sei.
Die CDU schwieg zu dem Thema, die SPD nicht. Sozialdemokrat Erhard Felske wies trocken, aber genüsslich darauf hin, dass die CDU im entsprechenden Kreisausschuss einstimmig für die Förderung votiert hat und sich sogar Kreispräsident Burkhard E. Tiemann (CDU) lobend geäußert habe. Stephan Krüger von den Linken warf die Frage nach den Druck-Verhältnissen auf: Barlach-Gesellschaft Richtung Stadt oder doch eher umgekehrt? "Aber das ist eigentlich egal. Das Projekt ist unterstützungswürdig, und deshalb stimmen wir dem Zuschuss zu."
FDP-Fraktionschefin Renate Koschorrek wurde grundsätzlicher: Sie hatte diese Ausstellung als "hoffnungsvollen Neuanfang" der Zusammenarbeit gesehen. "Man kann ein Projekt so oder so begleiten. Und wenn ein Parteifreund im Kreis etwas beschließt, was einen verwundert, kann man ihn anrufen." In Richtung CDU und Grüne gewandt sagte sie: "Was Sie hier machen, ist eine falsche Demonstration von Macht." SPD, FDP und Linke stimmten für den Zuschuss, so dass die Ausstellung am heutigen Sonnabend doch eröffnet werden kann. CDU und Grüne verweigerten sich der Abstimmung komplett, was rechtlich als Enthaltung gewertet wird.


  Hamburger Abendblatt vom 21.03.2009 - Kommentar

Ratsversammlung oder Sandkiste?

Von Jörg Frenzel

Man kann für oder gegen etwas sein oder keine Meinung haben, weil man eine Sache vielleicht nicht überblickt. Dafür gibt es in Abstimmungen die Möglichkeit für "Ja", "Nein" und "Enthaltung". Wedels Grüne und CDU-Stadtpräsidentin Sabine Lüchau ausdrücklich ausgenommen - haben in Bezug auf das Zuschussbegehren der Barlach-Gesellschaft diese demokratischen Grundregeln ignoriert und sich dem verweigert, wofür sie gewählt wurden: Entscheidungen treffen. Das erinnert nicht an Ratsversammlung sondern an Sandkisten-Muksch-Sein nach der Förmchen-Wegnahme.
Und das unselige formale Disputieren um Zuschüsse, Kostennachweise und Einsichtsmöglichkeiten muss ein Ende haben. Das Beste wäre, die Barlach-Gesellschaft macht individuelle Angebote: Ausstellung zum Thema X für Y Wochen in Wedel zum Preis Z - Kulturausschuss entscheidet, ob es ihm das Geld Wert ist oder nicht. Erfolgskontrolle: Zuschuss durch Zahl verkaufter Eintrittskarten gleich Pro-Kopf-Förderung. Klappt bei der Badebucht ja auch.