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Wedel-Schulauer Tageblatt
am

21. März 2009



zum Kommentar von Oliver Gabriel

"Falsche Demonstration von Macht"
Von Oliver Gabriel

Zwar sei die Ausstellung wichtig für Wedel, die Kooperationspartner wollten dem damit verbundenen Erpressungspotenzial aber nicht nachgeben, so CDU und Grüne. Konsequenz: Beide Fraktionen stimmten nicht mit ab.


Die Tatsache, dass heute das Wedel-Projekt der Ring-Ausstellung "Made in Turkey" eröffnet wird, zeigt: Hinter den Kulissen von Wedels Polit-Bühne waren die Signale bereits gestellt worden - und zwar auf Bewilligung des 10 000-Euro-Zuschusses, den sich die Ernst-Barlach-Gesellschaft (EBG) als Realisator der viel beachteten Schau von der Stadt erhofft hatte. Denn, so hatten EBG-Vorsitzender Dr. Jürgen Doppelstein und Projektleiterin Heike Stockhaus in einem Brief vom 6. März an Verwaltung und Fraktionen verdeutlicht: Ohne diesen Beitrag wäre Wedel raus aus der regionalen Neuauflage der Schau zu Positionen türkischer Kunst, die 2008 die Frankfurter Buchmesse begleitete. Und eine Entscheidung eineinhalb Tage vor der geplanten Wedel-Eröffnung wäre viel zu kurzfristig gewesen, wie ebenfalls aus dem Papier hervorgeht.
Aufgesetzt hatten die Leiter des Barlach-Museums das Schreiben direkt nach der Fachausschuss-Sitzung, bei der CDU und Grüne jenen Zuschuss eben nicht gewähren wollten, ohne dass eingehendere Fragen zur Finanzierung abgearbeitet worden sind, und als Kompromiss vorschlugen, die Entscheidung in die Ratssitzung zu schieben (wir berichteten). Die Antworten lagen keine 24 Stunden später besagtem Brief ebenfalls bei - inklusive der Bitte, bis 10. März Fraktionsentscheidungen zu erwirken. Und die sind offensichtlich so ausgefallen, dass die Ausstellungs-Vorbereitungs-Maschinerie wieder anlaufen konnte.
In der Ratssitzung selbst sorgten letztlich SPD, FDP und Linke dafür, dass der Antrag auf Bezuschussung angenommen wurde. Dass diese Fraktionen rechnerisch keine Mehrheit gegenüber Schwarz-Grün haben, störte das Ergebnis nicht: Die "Regierungs-Kooperation" stimmte einfach nicht mit ab. "Rechtlich wird dies als Enthaltung gewertet", klärte Bürgermeister Niels Schmidt einen irritierten Joachim Funck (SPD) auf. Er hatte die Sitzung geleitet, da sich Stadtpräsidentin Sabine Lüchau (CDU) krank gemeldet hatte.
Es war dann an Grünen-Sprecherin Dr. Valerie Wilms, dieses Abstimmungs-, respektive Nicht-Abstimmungs-Verhalten zu erläutern. Sie sprach von einem "Erpressungspotenzial", dem die Kooperationspartner CDU und Grüne nicht nachgeben würden. Es sehe ihr sehr danach aus, dass der Rat durch das Vorgehen der EBG unter Druck gesetzt werden sollte, so Wilms, die konstatierte: "So geht man nicht mit denjenigen um, von denen man eine Leistung erhalten möchte."
Da beide Fraktionen jedoch nicht verkennen würden, dass es sich bei der Türkei-Ausstellung "um eine gerade für unsere Stadt mit unserer großen türkischstämmigen Community wichtige Ausstellung handelt", werde Schwarz-Grün eine Beschlussfassung jedoch auch nicht verhindern.
Erhard Felske (SPD) sparte sich eine Replik. Er hatte bereits in der Vorstellung des Antrags erklärt: Er hätte sich zwar gewünscht, dass die Entscheidung ohne den aufgekommenen Zeitdruck hätte getroffen werden können. Andererseits könne er jedoch nur bedauern, dass es zu "einigen Friktionen" in dieser Angelegenheit gekommen sei. Er selbst begrüße die Ausstellung, die einen wichtigen Beitrag zur Integration leiste.
FDP-Fraktionsvorsitzende Renate Koschorrek erklärte: Sie könne die Stelle in den Brief der EBG sehr gut nachvollziehen, an der es heißt: Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Fragen von Schwarz-Grün früher gekommen wären. Auch sei ihr unverständlich, warum CDU und Grüne nicht einfach im Kreis angerufen hätten, wo alle Parteien für eine Bezuschussung des Projekts gestimmt haben. "Das sieht aus wie eine falsche Demonstration von Macht", so Koschorrek.
Konter von CDU-Fraktionschef Michael Kissig: "Der Vorwurf ist nicht berechtigt." Doppelstein hätte seinen Antrag bereits im Januar einreichen können. So sei innerhalb der Fraktion und mit dem Fraktionspartner zu wenig Zeit zur Abstimmung und der Formulierung der Fragen gewesen.
Das Schlusswort blieb bei Stefan Krüger (Die Linke): Nicht allein vor dem Hintergrund der Integration, sondern auch als Barlach-Stadt habe Wedel eine gewisse Verpflichtung, die Ausstellung zu unterstützen - "auch wenn man persönliche Konflikte mit der Barlach-Gesellschaft hat."

  Wedel-Schulauer Tageblatt, 21.03.2009 - Kommentar

Nun sind sie bockig

Keine Frage: Es gibt günstigere Zeiten für einen Antrag der Barlach-Gesellschaft auf Zuschüsse von der Stadt. Noch ist die Atmosphäre knisternd aufgeheizt durch nachhallende Vorwürfe und Grundsatzdebatten. Und noch ist das Pflänzchen einer neuen Kooperation zu zart, um es Belastungen, welcher Art auch immer, auszusetzen. Wenn nun der mögliche letzte Schritt namens Projektförderung vor dem vorletzten, dem Abschluss einer Leistungsvereinbarung, kommt: Wer hätte da etwas anderes erwartet als mindestens ein Zögern auf Seiten der CDU, und dann eben auch ihres neuen kleinen Partners? Sicher niemand. Was jedoch jeder erwartet hat und erwarten kann, ist, dass Volksvertreter ihr Mandat wahrnehmen. Eben mahnt Grünen-Sprecherin Dr. Valerie Wilms noch Richtung Barlach-Gesellschaft an, Kultur müsse sich an "Spielregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens halten", kurz darauf halten sich Grüne wie Schwarze ihrerseits nicht an die Regeln der kommunalen Selbstverwaltung und verweigern die Abstimmung. So etwas kann man vielleicht bei bockigen Kindern akzeptieren, die nicht mehr mitspielen wollen, aber bei gewählten Politikern sollte der "Spaß" aufhören.